Neurodermitis - freundet euch an!

Neurodermitis - freundet euch an!

In dieser Haut möchte man nur ungern stecken. Allerdings sind jedes Jahr rund 2 Millionen Kinder und 2,5 Millionen Erwachsene von der Hauterkrankung Neurodermitis betroffen (Quelle: Deutsche Dermatologische Gesellschaft). Schätzungen zufolge erkranken ca. 14% aller Menschen irgendwann im Laufe ihres Leben an dieser Hauterscheinung. Damit gehört Neurodermitis zu den häufigsten chronischen Hauterkrankungen und gilt inzwischen sogar als Zivilisationskrankheit. Ein Grund mehr, dem Thema etwas mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Denn je mehr du über deine unliebsame Begleitung weißt, desto besser kannst du mit ihr umgehen. Wie du dich am besten damit sogar anfreundest und was du tun kannst, erfährst du in diesem Beitrag. 

  • 1. Klarheit im Begriffsdschungel
  • 2. Wie entsteht Neurodermitis und wo kommt sie her? 
  • 3. Wie erkenne ich, ob ich Neurodermitis habe?
  • 4. Provokationsfaktoren – was löst Neurodermitis aus? 
  • 5. Wie du dich mit deiner Haut wieder anfreunden kannst!
  • 6. Meine Tipps: Was hilft bei Neurodermitis?
  • 1. Was ist Neurodermitis? Atopisches Ekzem oder atopische Dermatitis? Klarheit im Begriffsdschungel  

    Der Begriff “Neurodermitis” leitet sich aus dem Griechischen ab und gibt Hinweise auf Nerv, Haut und Entzündung. Obwohl mittlerweile bekannt ist, dass Entzündungen der Nerven nicht Auslöser dieser Hautveränderungen sind, ist die Bezeichnung Neurodermitis noch immer stark im Gebrauch. Mediziner bevorzugen dagegen die Begriffe “atopische Dermatitis” oder “atopisches Ekzem”. Beide geben Hinweis auf eine Entzündungsreaktion der Haut in Kombination mit einer verstärkten Neigung zu Allergien und Überempfindlichkeitsreaktionen. 

    2. Wie entsteht Neurodermitis und wo kommt sie her? 

    Der Begriffs-Dschungel macht deutlich, wie vielschichtig die Ursachen der Neurodermitis sind. Viele sind dabei noch unerforscht. Klar ist allerdings eins, es handelt sich um ein komplexes Zusammenspiel von genetischer Veranlagung und Umweltfaktoren.

    Ausgangspunkt ist in den meisten Fällen eine genetische Vorbelastung. Leiden beide Eltern an Neurodermitis, liegt die Wahrscheinlichkeit, dass auch das Kind betroffen sein wird, bei 60 bis 80%. Mit der Zeit wurden 31 Genregionen identifiziert, die bei der Entstehung einer Neurodermitis eine Rolle spielen. Gendefekte führen zum Mangel bestimmter Eiweiße, die die Haut normalerweise zum Aufbau ihrer schützende Hornschicht benötigt. Auch die Zusammensetzung der Hautfette scheint bei Menschen mit Neurodermitis gestört zu sein, was zu einem enormen Feuchtigkeitsverlust führt. Der fehlerhafte Aufbau ihrer Barriereschicht führt zu einer extrem trockenen und rissigen Haut, die sie zur Schwachstelle unseres Körpers macht. Diese Veranlagung alleine macht allerdings noch nicht krank, sondern nur anfällig. Kommen ungünstige Umwelteinflüsse hinzu, zeigt sich die Erkrankung erst von ihrer unangenehmen Seite. Krankheitserreger und Allergene, die unsere Haut normalerweise nur schwer passieren können, dringen nun leichter ein. Die meist völlig harmlosen Substanzen werden von allergieanfälligen Menschen fälschlicherweise als Gegner identifiziert und lösen Entzündungsprozesse aus. Das Immunsystem reagiert mit einer sogenannten Sensibilisierung, bei der Zellen des Immunsystems Abwehrstoffe (Antikörper/Immunglobuline) gegen die Substanzen (Antigene) produziert. Bindet sich ein Antikörper an ein Allergen, aktiviert es die Freisetzung entzündungsfördernder Botenstoffe. 

    Oft entwickelt sich die Neurodermitis bereits im Säuglings- oder Kleinkindalter. Die gute Nachricht: Bei etwa 60% der erkrankten Kinder lassen die Beschwerden bis zum frühen Erwachsenenalter nach. 


    3. Wie erkenne ich, ob ich Neurodermitis habe?

    Ortlosigkeit – das ist eine Eigenschaft, die erstmal komisch klingt, aber die Neurodermitis am besten beschreibt. Denn die Symptome der Hautkrankheit können wörtlich an jedem beliebigen Körperteil auftreten. Wo genau und wie stark sie ausgeprägt sind, ist von Person zu Person unterschiedlich und ändert sich im Laufe des Lebens. Bei Säuglingen sind meist Kopf, Gesicht und die Gliedmaßen betroffen. Im Erwachsenenalter leiden Hände, Füße, Nacken sowie Arm- und Kniebeugen. In jedem Alter verläuft die Erkrankung in Schüben, die sich mit symptomarmen oder -freien Phasen abwechseln. Wie sich Neurodermitis am häufigsten bemerkbar macht, habe ich dir einmal aufgelistet: 

    Besonders häufig äußert sich Neurodermitis mit folgenden Merkmalen: 

    • Trockene und empfindliche Haut
    • Quälender Juckreiz
    • Gerötete Haut, Bläschen
    • Schuppende, nässende Stellen 

    Typische Symptome eines akuten Neurodermtitis Schubs sind:

    • Starker Juckreiz mit Kratzanfällen
    • Hautrötungen
    • Schwellungen und Bläschen
    • Nässende Hautstellen
    • Krusten- und Schuppenbildung

    Abgesehen von den sichtbaren Hauterscheinungen ist vor allem der Juckreiz extrem belastend. Durch das ständige Kratzen wird die Haut zusätzlich geschädigt. Verletzungen der Haut mit blutigen Wunden befeuern die Entzündungsprozesse dabei noch weiter. Schlaflosigkeit und Übermüdung machen sich durch Leistungsminderung bemerkbar.

    Für viele Betroffene bedeutet das eine erhebliche Einschränkungen der Lebensqualität. Und die psychische Belastung trägt häufig zu einer weiteren Verschlechterung des Hautzustandes bei. Eine kleine Hilfestellung wie du diesen tückischen Juck-Kratz-Kreislauf durchbrechen kannst, erfährst du in den nächsten Abschnitten.  

    4. Provokationsfaktoren – das kann eine Neurodermitis-Haut so gar nicht leiden!

    Ist die Reaktionsbereitschaft deiner Haut einmal erhöht, reagiert sie äußerst sensibel auf bestimmte Schlüsselreize. Mit welcher Schwere und ab welchem Schwellenwert der Körper auf diese Reize reagiert, ist individuell verschieden: 

    • Klima 
    • Allergene (Tierhaare, Pollen, Nahrungsmittel)
    • Infekte
    • Psychische Faktoren (Stress, Überanstrengung, Angst, Aufregung) 
    • Chemische Hautreize (Chemikalien, Laugen, Seifen) 
    • Mechanische Hautreize (Wolle, Bürste)
    • Austrocknung der Haut
    • Starkes Schwitzen (Sport, Sauna, feucht-warmes Klima) 

    5. Wie du dich mit deiner Haut wieder anfreunden kannst!

    Neurodermitis lässt sich zwar bis heute nicht heilen, aber gut in den Griff bekommen. Wie wir gelernt haben, sind die Ursachen, Triggerfaktoren und Symptome so vielschichtig, dass es vor allem darauf ankommt, seine Neurodermitis genau kennenzulernen. Du musst nicht ihr bester Freund werden, aber wenn du ein klein bisschen Verständnis mitbringst und auf individuelle Bedürfnisse eingehst, stellt sich vielleicht ein entspannteres Verhältnis zwischen euch ein. Hast du den Ärger und Wut auf die juckenden Stellen mal etwas runtergeschluckt, lassen sie dich vielleicht auch mal für längere Zeit in Ruhe. Aber auch in diesen Zeiten will eine Neurodermitis-Haut beachtet und gepflegt werden. Um den Allgemeinzustand deiner Haut zu verbessern, kommst du um eine kontinuierliche Hautpflege nicht herum. Dem Barriereeffekt der Haut wirkst du am besten mit einer feuchtigkeitsspendenden Creme entgegen. Und zwar mit ziemlich viel davon: Gut ein Kilogramm Creme braucht ein Erwachsener mit Neurodermitis hiervon pro Monat! 

    Hast du einmal herausgefunden, was deine Haut zusätzlich reizt, vermeide oder reduziere diese Provokationsfaktoren. Dazu zählen auch Nahrungsmittel, auf die du allergisch reagierst. Und wenn es dann doch zum Jucken kommt, versuche das Kratzen sein zu lassen. Die Haut reagiert nur mit erneuten Entzündungsprozessen und kommt so gar nicht mehr zur Ruhe. Hier darfst du auch gerne mal die Fäuste ballen oder die betreffenden Stellen zwar genervt, aber sanft abklopfen. 

    Hautpflege – so reinigst und cremst du deine Haut richtig
    Auch hier gilt: Lerne deine Haut kennen und passe deine Pflegeroutine individuell auf deinen Hautzustand und den Krankheitsverlauf an. Achte dabei vor allem auf die Inhaltsstoffe deiner Hautpflege. Vermeide, wenn möglich, Produkte mit Duft-, Farb und Konservierungsstoffen sowie Substanzen, die Kontaktallergien auslösen können. Deine Basispflege sollte immer eine Kombination aus Fett und Feuchtigkeit sein. Beachte dabei folgende Regel: Je entzündeter die Haut, umso feuchter sollte die Grundlage sein. Für extrem trockene Stellen und im Winter darf es gerne etwas fettiger sein. 

    Bei der Reinigung der Haut solltest du so wenig Wasser und Reinigungsmittel wie möglich verwenden. Das fördert das Austrocknen der Haut und schwächt die Barrierefunktion zusätzlich. Besonders geeignet sind Öl- und Totes-Meer-Salz-Bäder, die du auch als Kurmaßnahmen über einige Wochen ausprobieren kannst. 

    Auszeit für dich und deine Haut 
    Eine bewährte Therapie gegen Neurodermitis sind Aufenthalte in hautfreundlichen Klimaregionen. Warum bestimmte klimatische Bedingungen so gute Ergebnisse erzielen, lässt sich mit wissenschaftlicher Genauigkeit nicht erklären. Möglicherweise liegt es an einer geringeren Pollen- und Schadstoffbelastung der Luft oder der Ruhe und Entspannung, die sich bei Patient:innen während dieser Tage einstellt. Eine besonders heilsame Wirkung wird der Region des Toten Meeres zugesprochen. Dieses Klima filtert schädliche UVB-Strahlen heraus, sodass man sich länger als sonst in der Sonne aufhalten und von ihrem antientzündlichen Potenzial profitieren kann. Der hohe Salzgehalt des Meeres erleichtert das Eindringen der Sonnenstrahlen in tiefere Hautschichten und wirkt dank Magnesium zusätzlich entzündungshemmend. 

    Auch ein Aufenthalt in den Bergen kann sich positiv auf deine Hautzustand auswirken. Die Heilwirkung der Höhenlage wird von vielen Patient:innen empfohlen. Wenn du allerdings keine Möglichkeiten hast oder einfach nicht der Typ für Berge und Meer bist, hole dir deinen Urlaub nach Hause und schaffe dir deine eigenen Ruheoasen. Wirkungsvolle Entspannungsverfahren werden von Sportvereinen, Volkshochschulen aber auch online angeboten, und reichen von Atemübungen, Meditationen, autogenem Training bis Yoga. Der Einfluss deiner seelischen Gefühlswelt auf den Verlauf der Neurodermitis solltest du also in keinem Fall vernachlässigen. 

    Zur Behandlung von akuten Krankheitsschüben solltest du dir allerdings immer ärztlichen Rat einholen. Die Deutsche Dermatologische Gesellschaft hat einen Stufenplan entwickelt, der je nach Schweregrad ein spezielles Behandlungsspektrum empfiehlt. Werden die entzündeten Ekzeme effektiv behandelt, kann sich die Hautbarriere regenerieren und einer Verschlimmerung der Symptome vorgebeugt werden.

    Die richtige Ernährung als Gamechanger? 
    Besonders bei der Ernährung stehen viele Nahrungsmittelallergien in direktem Zusammenhang mit Neurodermitis Erkrankungen. Im Einzelfall können verschiedene Lebensmittel tatsächlich einen negativen Einfluss auf den Zustand deiner Haut haben: Was sollte man bei Neurodermitis nicht essen? Histamin (Käse, Rotwein), Zitrusfrüchte, Alkohol und Kaffee werden von Neurodermitis-Patienten häufig nicht gut vertragen. Da auch unser Darm mit seinem Mix aus Mikroben unser Immunsystem beeinflusst, spielt die Ernährung in Sachen Wohlbefinden und Gesundheit eine wichtige Rolle. Es gibt aber keine allgemeingültige Diät zur Verbesserung der Neurodermitis-Symptome, sondern in jedem Einzelfall muss herausgefunden werden, welche Nahrungsmittel eine Verschlechterung der Haut nach sich zieht. Wenn du einen Verdacht hast, solltest du dich für eine genauere Diagnose an deinen Arzt wenden. 

    Verdächtigen Inhaltsstoffen kommst du am besten mithilfe eines Ernährungstagebuchs auf die Spur. Da ein pauschaler Verzicht auf wichtige Grundnahrungsmittel einen Nährstoffmangel bewirken kann, solltest du wirklich nur die Lebensmittel  meiden, die nachgewiesenermaßen auch als Provokationsfaktor bei dir wirken. 

    Niacinamid

    6. Meine persönlichen Tipps: Was hilft bei Neurodermitis?

  • Cleopatrabad: Gib 1 Liter Hafer- oder Mandelmilch und 100 ml Olivenöl in ein Vollbad und fühle dich einmal wie eine echte Königin. Das Bad spendet Feuchtigkeit und beruhigt nicht nur deine Haut.
  • Salzwasser: Um von der Heilwirkung des Salzwassers zu profitieren, musst du nicht unbedingt ans Meer fahren. Löse ca. 50 g Salz in 1 Liter lauwarmem Wasser auf und tunke ein Baumwolltuch hinein. Lege dir den Umschlag auf die betreffenden Hautstellen und lass es für 10 bis 15 Minuten einwirken. 
  • Aloe Vera: Ob als Gel oder Spray, Aloe Vera spendet Feuchtigkeit, lindert den Juckreiz und hat einen antimikrobiellen Effekt.
  • Niacinamid: Niacinamid bewahrt deine Haut vor Feuchtigkeitsverlust, wirkt antibakteriell und lindert Entzündungen.
  • Rosenwasser: Neben seiner feuchtigkeitsspendenden, entzündungshemmenden und antibakteriellen WIrkung, bekämpft Rosenwasser Stresssymptome und hilft beim Loslassen unschöner Gedanken. 
  • Squalan: Durch die tägliche Verwendung weniger Tropfen des hautverwandten Lipids, regeneriert sich deine Haut-Lipid-Barriere und beugt nachhaltig dem Austrocknen vor.

  • Leicht geschrieben, schwer getan! Falls du selbst betroffen bist, kannst du über den Tipp “Nicht Kratzen” vermutlich nur Lachen. Vielleicht schaffst du es, dich auf ein friedliches “Miteinander” mit deiner Neurodermitis Haut zu einigen. Mit ausreichend Aufmerksamkeit – ohne zu viel davon. Denn wie es so schön heißt “zu viel Aufmerksamkeit, lässt auch einen Esel denken er sei ein Löwe”.

    Dein JUNGLÜCK Team

    Quellen:
    https://www.allergieinformationsdienst.de/krankheitsbilder/neurodermitis/therapie.html
    https://fet-ev.eu/neurodermitis-krankheitsbild/
    https://www.apotheken-umschau.de/krankheiten-symptome/hautkrankheiten/hautpflege-bei-neurodermitis-720747.html
    Elsässer Sabine, Körperpflegekunde und Kosmetik, Springer Medizin Verlag Heidelberg 2008


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