Periode Talk: PMS & Regelschmerzen - Können wir das überhaupt positiv sehen?

Periode Talk: PMS & Regelschmerzen - Können wir das überhaupt positiv sehen?

Ich sag’s euch mal wie es ist: PMS ist echt scheiße. Als würde die Periode selber nicht reichen, muss die Zeit davor auch noch verdammt unschön sein. Und wenn du hier in diesem Beitrag gelandet bist, schätze ich mal, dass du eine Leidensgenoss*in von mir bist und in deinem Kopf ein lautes “JA” zu hören ist. Aber ich sitze nicht hier und schreibe diesen Beitrag, damit ich mich im Namen aller PMS-Gequälten einmal ausheulen kann. Ich sitze hier, befinde mich im zweiten Tag meiner Periode – bei mir der absolut schlimmste – und möchte dem ganzen etwas Positives abgewinnen. Was das genau sein soll, weiß ich zum jetzigen Zeitpunkt auch noch nicht, aber sehen wir mal, wo die Reise hinführt.

Bringen wir die Konversation in Gang

In meinem Freundeskreis sprechen wir viel über Themen wie Sex, Hormone und eben auch PMS und Periodenbeschwerden. Und ich würde sagen, mindestens die Hälfte klagt über stärkere Symptome wie Stimmungsschwankungen, Veränderung der Essgewohnheiten, toxische Gedankenmuster und starke Schmerzen, wenn es auf die kritische Periodenphase zugeht. Ich selber beschreibe mich in den wirklich intensiven PMS-Phasen als hormonelles Nervenbündel. Als ich mit meiner besten Freundin einige Monate gereist bin, gab sie meinem PMS Alter Ego den liebevollen Namen “Tage-Lena”. Leider zurecht… Dickes Sorry geht an dieser Stelle raus!

Ich fühle mich an diesen Tagen einfach überhaupt nicht wie ich selbst, bin total unsicher, traue meinem eigenen Kopf nicht, verfalle viel schneller in misstrauische und depressive Gedankenkanäle und habe schon vor Jahren aufgehört, in solchen Zuständen wichtige Entscheidungen zu treffen. Die Hormone halten mich fest umklammert und damit bin ich bzw. sind wir gar nicht so allein. Rund drei Viertel der menstruierenden Bevölkerung klagen über milde bis schwerwiegende Beschwerden vor der Periode. Das ist eine ganze Menge! Alleine sind wir damit also keinesfalls, was irgendwie ja auch ein kleiner Trost ist. Gleichzeitig macht es mich aber auch wütend, dass unter diesen Umständen das Leben in vielen Fällen für uns nicht erleichtert wird, dass nicht tiefergehend darüber aufgeklärt wird, dass so viel Unwissen darüber auf der anderen Seite herrscht. Ich hatte ganze vier mal in meiner Schullaufbahn Sexualkunde im Bio-Unterricht. Was genau bei der Periode passiert, was PMS ist und vor allem, wie ich mit den Schmerzen umgehen soll, habe ich nie gelernt. Und in meinem Freundeskreis übrigens auch niemand. Aber dafür weiß ich ganz genau wie es vom Sex zur Schwangerschaft und dann schließlich zur Geburt kommt. Klar ist es auch wichtig das zu wissen, aber ein Kind in sich zu tragen und zu gebären ist nun mal nicht der einzige Vorgang, der im biologisch weiblichen Körper von Relevanz ist.

Aber egal wann und in welcher Intensität man mit dem Thema PMS konfrontiert wurde, wichtig ist, dass wir die Konversation jetzt am Laufen halten. Awareness zu schaffen. Mehr Verständnis zu erzeugen.

Nimm dir den Druck

Häufig quäle ich mich doch aus dem Haus, wenn ich verabredet bin, obwohl mir gar nicht danach ist. Noch häufiger zwinge ich mich ins Büro bzw. an den Schreibtisch, obwohl ich genau weiß, dass es mir besser ginge, wenn ich im Bett bleiben würde. Und ich denke, dass dieses Problem mindestens genauso weit verbreitet ist, wie die PMS und Periodenschmerzen selbst. Kommt es dir bekannt vor? Wir möchten uns einerseits nicht unseren körperlichen Vorgängen ergeben, uns davon einschränken und die Hormone gewinnen lassen. Andererseits zeigt uns der Körper mehr als deutlich, dass er Ruhe benötigt. Dann reden wir uns ein, dass wir nicht einfach krank machen können, weil wir nicht wirklich krank sind. Uns geht es seelisch nicht gut. Wir haben “nur” Regelschmerzen… Ich denke, es ist allerhöchste Zeit, dass wir etwas an dieser Einstellung ändern. Schmerzen und Leidensdruck sind definitiv Gründe, besser auf sich aufzupassen und sich zu schonen. Und da ist es auch vollkommen ok, die Verabredung abzusagen, sich erst mal krank zu melden, Termine zu canceln und einfach mal mit Wärmflasche auf der Couch zu bleiben.

Wenn man da auf Unverständnis stößt, ist es aber auch wichtig, dem Raum zu geben, sich zu erklären und geduldig auf Fragen zu antworten. Viele Menschen, die diese Erfahrung nicht mit uns teilen, können sich gar nicht vorstellen, was da mit uns passiert, wieso wir vielleicht als “zickig” oder “schlecht drauf” abgestempelt werden. Ruhig bleiben ist die Devise. Und wenn du danach immer noch auf Unverständnis stößt, lass dich nicht beirren. Hör’ im wahrsten Sinne des Wortes auf dein Bauchgefühl und lass dich nicht unter Druck setzen, nicht von dir selbst und schon gar nicht von jemand anders.

Leichter gesagt als getan, ich weiß. Mir persönlich geht es am Ende doch besser, wenn ich mir selbst den Druck nehme. Denn den haben wir wirklich alle selbst in der Hand. Die körperlichen Schmerzen und komischen Gedanken, die sich so gar nicht nach uns selbst anhören, eher weniger. Trotzdem gibt es auch hier Mittel und Wege, die für die eine oder andere Person vielleicht hilfreich sein könnten.

Meine Tipps bei PMS:

Bei seelischem Leiden:

Nimm dir eine Auszeit, denn du und dein Wohlbefinden stehen an allererster Stelle. Hör auf dein Bauchgefühl! Wenn du das Gefühl hast, dass es dir zu viel wird, dann bleib einfach mal daheim, tu dir selbst etwas Gutes.

Wenn du merkst, dass sich deine Gedanken stark verändern während deiner PMS Phase, trau ihnen nicht unbedingt. Rufe dir ins Gedächtnis, dass dein Empfinden momentan von Hormonen getrübt ist, dass du zu einem anderen Zeitpunkt anders empfinden und entscheiden könntest. Deshalb gilt: PMS-Phasen sind keine gute Zeit, um lebensverändernde Entscheidungen zu treffen.

Schreibe deine Gedanken auf, auch die Zweifel und Dinge, die du in dieser Zeit an deinem Leben ändern möchtest, womit du dich unwohl fühlst, welche Sorgen du hast. Wenn deine Periode vorbei ist, schau dir dein PMS-Tagebuch nochmal an und fühle nochmal in dich hinein: Welche der Punkte, die du aufgeschrieben hast, fühlen sich immer noch so für dich an? Bei welchen Punkten musst du vielleicht über dich schmunzeln, weil das Problem gar nicht mehr so groß ist? Wenn es dir so geht wie mir, sind am Ende die meisten deiner PMS-Sorgen unbegründet und Fiktion deines hormonvernebelten Kopfes. Das zu wissen, beruhigt schon im Moment des Gedankens.

Löse dich von deinen PMS-Gedanken. Normalerweise würde ich jeder Person raten, sich tiefer mit sich selbst zu beschäftigen. Jedoch in diesen zweifelsvollen Zeiten ist mein Mantra: Ich denke meine Gedanken und fühle mein Empfinden und ich schenke ihnen nicht mehr Aufmerksamkeit als nötig. Ich hebe mir die Bewertung und Auseinandersetzung lieber für einen Zeitpunkt auf, zu dem ich einen klaren Kopf habe. Häufig können so von vorneherein Probleme mit dir selber, aber auch in deinen Beziehungen, vermieden werden.

Wenn es dir unheimlich schlecht geht, du das Gefühl hast, in einer Depression zu versinken und einfach nur den ganzen Tag weinen willst, mach’s! Sag alles ab, leg dich ins Bett, weine, lass alles raus. Erlaube dem Druck zu entweichen und wenn du fertig bist, schau wonach dir ist. Vielleicht ein Spaziergang an der frischen Luft? Mit leckerem Essen auf die Couch und den Lieblingsfilm schauen? Mit Freunden und Familie quatschen? Oder doch lieber ein warmes Bad und alleine sein? Alles ist ok, solange es dir gut tut.

Wenn du das Gefühl hast, dass du mit deinen Gedanken nicht mehr alleine zurecht kommst, dich überfordert und hilflos fühlst, möchte ich dir den Rat geben, dir Hilfe zu suchen. PMS ist sicherlich ein Faktor, der dir den Kopf vernebelt, aber die Angst vor dieser Zeit und das Missvertrauen dir selbst gegenüber, macht es schlimmer. Du musst da nicht alleine durch. Geh zu deiner Hausärzt*in, sprich deine Sorgen und deine Gefühle an, lass dich an eine Therapeut*in oder Psycholog*in überweisen. Nimm dir Zeit, die richtige Person für dich zu finden und arbeitet gemeinsam daran, eine Strategie für die düsteren Tage aufzubauen. In vielen Fällen findet PMS im Kopf statt. Und kann durch Gespräche und neue Erkenntnisse gelindert werden.

Bei körperlichen Schmerzen:

Auch wenn ich Medikamenten eher kritisch gegenüber stehe und zuerst alle Haus- und Naturmittel nehme, bevor ich zu den Mitteln der konventionellen Medizin greife, komme auch ich manchmal nicht um die Schmerztablette herum. Du musst dich nicht den ganzen Tag mit Rücken-, Unterleibs- und Gliederschmerzen quälen. Es gibt da durchaus auch gut verträgliche Varianten, falls du empfindlich bist. Es muss auch nicht zwingend ein überteuertes Produkt speziell für Perioden-Beschwerden sein. Lass dich am besten in der Apotheke, bei der Heilpraktiker*in oder Ärzt*in beraten, mit welchem Präparat du dich am wohlsten fühlst, wenn du, genau wie ich, auch nicht gern Medikamente einnimmst.

CBD als Mittel zur Linderung. Mit CBD Tropfen habe ich sehr gute Erfahrungen bei leichten bis mittelschweren Schmerzen gemacht. Die Dosierung musst du für dich selber austesten, das ist individuell. Die CBD Tropfen aus der Drogerie sind speziell für schmerztherapeutische Zwecke in der Regel nicht hoch genug dosiert. Ich würde dir daher raten, dich in einem CBD Shop beraten zu lassen oder online bei verschiedenen Anbietern einmal nachzufragen. Wichtig hier: Die Qualität des Öls sollte möglichst hoch sein, frei von Zusatzstoffen, am besten aus kontrolliert biologischem Anbau. Es gibt einige Marken, die die Hanfpflanzen für ihr CBD Öl aus der Schweiz und Deutschland beziehen, was natürlich auch einen ökologischen Vorteil hat.

Die Klassiker: Wärmflasche, Embryonalstellung, zwischen Decken und Kissen vergraben und abwarten bis das CBD oder die Schmerztablette wirken.

Trotz allem kommt es dennoch manchmal vor, dass die Schmerzen überwiegen und nichts wirklich helfen mag. Essen geht nicht, weil alles so schmerzt, dass leichte Übelkeit eintritt. An solchen Tagen hilft bei mir nur Ablenkung. Ich mache mir einen interessanten Podcast an, stöbere durch die Streaming-Anbieter und lande am Ende bei einem spannenden Action-Film.

PMS mal positiv betrachtet

Vielleicht ist der positive Aspekt hieran auch, dass wir auf besondere Weise gezwungen sind, unsere Grenzen klar zu spüren. Wir lernen uns und unseren Körper besser kennen, können einschätzen, wann alles zu viel wird, wann wir Ruhe geben müssen. Und wir lernen, uns trotz Alltagsstress, Arbeit, Verabredungen und Terminen, genau diese Ruhe zu geben. Es gibt mit Sicherheit Tausend schönere Wege, das zu lernen, aber PMS ist eben unserer.

Lasst uns die Konversation zu diesem Thema am Laufen halten. Drei Viertel von uns menstruierenden Menschen können eine ziemliche Welle an Awareness verbreiten. Wir können uns austauschen, Tipps, Empfehlungen und Ratschläge zu Behandlungsmethoden, Spezialisten und persönlichen Erfahrungen teilen. Wir können die Clichés aufräumen, unsere Symptome erklären und Verständnis verbreiten. Und wer weiß, vielleicht können wir es auch normalisieren, dass PMS und Perioden Gründe sind, nicht ins Büro zu fahren, von daheim zu arbeiten, wenn es möglich ist, oder sich auch einfach krank zu melden. Dank Corona sind in vielen Bereichen die Home-office Regelungen ja nach wie vor locker, was es mir und vielen in meinem Freundeskreis angenehmer macht. So kann ich mit Wärmflasche in der Jogginghose gemütlich auf dem Sofa oder am Schreibtisch sitzen, fühle mich wohler und kann unter diesen Umständen viel produktiver arbeiten, als am Schreibtisch im Büro.

Ein weiterer, sehr wichtiger Schritt ist, dass wir beginnen, uns den Druck zu nehmen, den wir uns selbst machen. Wir müssen nicht immer omnipräsent und am Start sein, nur, weil wir es mal so geplant hatten. Und wir sollten aufhören, unsere Symptome zu verteufeln und als Hindernis wahrzunehmen, sondern uns einfach nach ihnen richten. Statt um jeden Preis und unter Qualen versuchen, diese Zeichen zu ignorieren.

Quellen: 

Hinterlasse einen Kommentar

Bitte beachte, dass Kommentare vor der Veröffentlichung freigegeben werden müssen